Warum dein Rotwein im Sommer nicht in den Schrank gehört

Rotwein im Sommer

Rotwein hat im Sommer einen schlechten Ruf, und das liegt fast immer an der Temperatur. Bei 26 Grad Raumtemperatur schmeckt jeder Rotwein nach Alkohol, egal was er gekostet hat. Der Wein ist nicht das Problem, die Wärme ist es. Und die Lösung ist unspektakulär: Kühlschrank, halbe Stunde, fertig.

Zimmertemperatur ist ein Missverständnis

Die Regel, Rotwein bei Zimmertemperatur zu trinken, stammt aus einer Zeit, in der Wohnzimmer im Winter 16 Grad hatten und im Sommer die Fensterläden zu waren. Ein heutiges Wohnzimmer liegt im Juli bei 24 bis 27 Grad. Das ist kein Serviervorschlag, das ist ein Wasserbad.

Die Zielwerte sind niedriger, als die meisten denken. Kräftige Rotweine zeigen sich zwischen 16 und 18 Grad am besten, leichte zwischen 14 und 16. Wer keine Lust auf Thermometer hat, nimmt die Faustregel: dreißig Minuten in den Kühlschrank, dann raus. Im Glas wird der Wein von allein wärmer, meist schneller als du trinkst. Zu kalt eingeschenkt ist deshalb der kleinere Fehler als zu warm. Bei zu warmem Wein tritt der Alkohol nach vorn und die Frucht verschwindet, bei zu kaltem wirkt das Tannin kurz hart und öffnet sich nach wenigen Minuten.

Nicht jeder Rotwein ist ein Sommerwein

Die Temperatur allein macht es nicht. Ein dichter, tanninstarker Wein mit 14,5 Prozent bleibt auch gekühlt ein Wintergast. Was im Sommer funktioniert, hat drei Eigenschaften: wenig Tannin, klare Frucht und einen moderaten Alkoholgehalt, meist zwischen 11,5 und 13 Prozent.

Ein paar Sorten, die das mitbringen:

Spätburgunder, international Pinot Noir. Hell in der Farbe, Kirsche und Himbeere, kaum spürbares Tannin. Der Klassiker für gekühlten Rotwein und der einzige Rote, der auch zu gegrilltem Fisch funktioniert.

Gamay aus dem Beaujolais. Saftig, leicht, mit einer Frische, die fast an Rosé erinnert. Wird in Frankreich selbstverständlich kühl getrunken.

Schiava, in Südtirol Vernatsch. Blass, leicht, mit Mandelnote im Abgang. Der wohl unterschätzteste leichte Rotwein Europas.

Frappato aus Sizilien. Man würde bei einem sizilianischen Roten Wucht erwarten und bekommt Erdbeere und Kräuter.

Zweigelt aus Österreich, in der leichten Ausbauvariante ohne Holz. Dunkle Kirsche, weiches Tannin.

Wer sich einmal quer durch diese Richtung probieren will, findet leichte Rotweine im Sortiment von genuss7 über den Filter nach Körper und Geschmack. Das ist deutlich zielführender als nach Land zu suchen, denn ein leichter Spätburgunder aus Baden und einer aus Burgund liegen näher beieinander als zwei Weine aus derselben Region mit verschiedenen Sorten.

Was dazu passt, wenn der Grill an ist

Die Faustregel bleibt: je kräftiger das Essen, desto kräftiger der Wein. Im Sommer verschiebt sich das nur, weil das Essen leichter wird.

Zu Grillgemüse, Halloumi und Antipasti passt ein gekühlter Gamay oder Schiava besser als jeder Weißwein, weil die Röstaromen etwas Frucht brauchen. Zu Geflügel vom Grill ein Spätburgunder. Zu Lamm, auch im Sommer, darf es mittelkräftig werden, ein Tempranillo oder ein junger Sangiovese. Zu Tomatensalat und Pasta mit Tomatensauce ein Sangiovese oder ein leichter Primitivo, weil die Säure der Tomate einen Wein mit Säure verträgt.

Und zu Rindersteak greifst du weiter zum kräftigen Roten, nur eben etwas kühler als im Januar.

Die drei Dinge, die wirklich zählen

Wenn du nur drei Sachen mitnimmst: Erstens, Rotwein im Sommer eine halbe Stunde in den Kühlschrank, ohne Ausnahme. Zweitens, nach Körper und Tannin aussuchen, nicht nach Land. Drittens, geöffnete Flaschen verschlossen zurück in den Kühlschrank, dort halten leichte Rote drei bis fünf Tage.

Der Rest ist Geschmack. Und der ist im Sommer bei Rotwein deutlich breiter, als es sein Ruf vermuten lässt.